Mädchen nähern sich mutig dem Metall
Projektwoche mit Schülerinnen der JKG-Technik-AG bei TrumpfLEONBERG/DITZINGEN - Es ist wie verhext: Im letzten Moment taucht beim Projekt der Mädchen-Technik-AG vom Johannes-Kepler-Gymnasium doch noch ein Problem auf: Ihre bei Trumpf hergestellten Metalltische würden ohne Verstärkung der Belastung nicht standhalten.
Von Ralf Krüger
"Es müssen Stahlrahmen her'', gibt Gerrit Velten, Ausbildungsmeister bei Trumpf in Ditzingen, dem Sextett den entscheidenden Tipp und greift gleich zum Zollstock. "Das ist wie immer'', lächelt Pädagogin Kristiane Reiber mit der Gelassenheit und Erfahrung dreier ähnlicher Projekte, die sie in den Vorjahren mit Leonberger Schülerinnen auf die Beine gestellt hatte. Denn auch bei der damaligen Entwicklung eines Computerarbeitsplatzes seien Schwierigkeiten erst auf der Zielgeraden aufgetaucht. Aber auch die wurden letztlich gemeistert.
In diesem Jahr sollte das Projekt in einer Woche auch zu verwirklichen sein, erläutert Kristiane Reiber, die neben Physik und Mathe noch Informatik am JKG lehrt. "Der Trainingseffekt ist auch bei einer kleineren Sache gegeben.'' Ziel ihres Engagements ist die frühzeitige berufliche Orientierung mit technischem Schwerpunkt. Die Schülerinnen der zehnten und elften Klassen, Leonie Achtnich, Lisa Bruchmann, Andrea Koppenborg, Julia Schneider, Daniela Keller und Julia Brenner, sollten einen ersten Einblick bekommen und zum Ergreifen eines technischen Berufs ermutigt werden. "Und zwar ganz bewusst ohne Jungen, damit sie einen Schubs kriegen'', sagt Reiber.
Hintergrund des pädagogischen Engagements ist der Arbeitskräftemangel im technischen Bereich, in dem Mädchen traditionell ohnehin nur sehr schwach vertreten sind. Das will sie ein Stück weit ändern und Berührungsängste abbauen.
Doch die waren sowieso kaum vorhanden: "Angst vor der Technik hatten wir nicht'', sagt eine Teilnehmerin mit Nachdruck, und eine Mitschülerin ergänzt: "Die größte Arbeit war das Rumrennen und Organisieren.'' Zuerst mussten sich die Schülerinnen einigen, was sie aus Metall herstellen wollten. Zwei Tische für ihre Leonberger Schule sollten es sein. Während des einwöchigen Betriebspraktikums, das gestern endete, ging es ans Umsetzen der Idee, von der technischen Zeichnung über Materialbeschaffung bis hin zum Schneiden, Stanzen und Biegen der Stahlplatten. Auch handwerkliche Arbeiten kamen dabei nicht zu kurz. "Nach einer Woche bewegen sich die Mädchen hier im Betrieb, als wären sie zu Hause'', bemerkt Reiber den Unterschied zum Anfang. "Jetzt ist viel Selbstbewusstsein spürbar.'' Denn einen wichtigen Aspekt solcher Projekte sieht die Pädagogin darin, dass die Schülerinnen soziale Kompetenzen erlangen und lernen, ihre Ideen in der Gruppe zu präsentieren.
Dieser Woche vorausgegangen waren bereits die Projektierung mit Betriebsführung bei Trumpf Ende vergangenen Jahres sowie zwei Nachmittage, an denen das technisch interessierte Sextett von Karin Springborn - der Bildungsverbund berufliche Qualifikation (BBQ) Ludwigsburg sitzt dieses Jahr mit im Projekt-Boot - die Grundzüge des Projektmanagements vermittelt bekam. In der übrigen Zeit bereiteten die Mädchen im Team selbstständig das Betriebspraktikum vor. Im März nun sollen die beiden Tische mit einer Abschlusspräsentation ans Johannes-Kepler-Gymnasium übergeben werden. Dazu sind natürlich auch die Trumpf-Azubis eingeladen, die die Abwechslung in der Ausbildungswerkstatt sichtlich genossen.
Aus: Leonberger Kreiszeitung, April 2003 |